Winterkahle Birken mit Mistelnestern
Insbesondere auf winterkahlen Bäumen erkennt man die Mistelnester gut.
Pflanzen,  Pflanzenbestimmung

Ein Parasit auf der Pferdeweide: Birken & Misteln

Birken (Betula pendula) (er-) kennst Du vermutlich schon aus der Kindheit, schließlich sind sie durch ihre weiße Rinde quasi unverwechselbar. Aber wusstest Du, dass Birken mit Weißbeerigen Misteln (Viscum album) befallen sind? Misteln sind allerdings giftig für Pferde und verbreiten sich schnell.

Birken

Erkennungsmerkmale & Vorkommen

Im April/Mai blühen die Hänge-Birken, dann erkennst du die bis zu 10cm langen Kätzchen. An den Zweigen des bis zu 25m hohen Baums hängen außerdem die grünen, stark gezackten und meist dreieckigen Blätter.
Birken stellen keine besonderen Anforderungen an ihre Umgebung und wachsen in Europa quasi überall, tendenziell aber auf eher sauren Böden [1].

Anwendung bei Pferden

Birkenblätter & -knospen werden sowohl traditionell [3] als auch in der modernen Medizin [2] innerlich besonders bei Harnwegsleiden eingesetzt. Sie erhöhen die Harnmenge und können daher zur Durchspülung der Harnwege genutzt werden. Auch eine leicht fiebersenkende Wirkung konnte nachgewiesen werden [2].

Doch auch die Zweige der Birken lassen sich, wenn auch nicht gesundheitlich, verwenden: In der Spanischen Hofreitschule in Wien werden seit dem 16. Jahrhundert die Zweige von drei- bis sechsjährigen Birken als Naturgerten verwendet [4]. Ich persönlich benutze gerne Apfelzweige, Birkenzweige stelle ich mir etwas zu dünn und dadurch zu beweglich vor. Aber einen Versuch ist es sicherlich mal wert.

Misteln

An Weihnachten soll ein Kuss unter dem Mistelzweig Glück und ewige Liebe bringen. Praktisch für uns Pferdemenschen, denn Misteln wachsen leider auf den meisten Pferdeweiden zur Genüge.

Erkennungsmerkmale & Vorkommen

Die immergrüne Weißbeerige Mistel (Viscum album) blüht von Februar bis April. Im Gegensatz zu den großen weißen Früchten sind die Blüten allerdings sehr unscheinbar. Kugelartig wachsen die Misteln als sogenannte Halbschmarotzer auf Laub- und Nadelbäumen (also nicht nur auf Birken, sondern auch auf Pappeln, Weiden, Apfelbäumen, Kiefern…) [1]. Dabei entziehen sie ihrem Wirtsbaum Wasser und Nährstoffe, was auf Dauer dazu führen kann, dass der Baum abstirbt [5].

Ein klassisches Mistelnest. Gut zu erkennen sind die großen weißen Beeren. Sie sind beliebt bei Vögeln, aber giftig für Mensch und Pferd.

Giftigkeit & Verwendung

Misteln gelten als (schwach) giftig für Pferde. Das liegt an den enthaltenen Viscotoxinen und Viscuminen. Am höchsten ist der Gehalt im Winter in den Blüten und Früchten [6]. Die Vergiftungserscheinungen reichen von lokalen Reizungen, Störungen des Herz-Kreislaufsystems und des Zentralnervensystems [6] zu Verdauungs- und Atembeschwerden [7]. Angaben über die letale Dosis konnte ich nicht finden.

Seit einigen Jahren wird die Wirkung von Misteln in der Krebstherapie erforscht. Bei Pferden soll sie insbesondere beim Equinen Sarkoid Wirkung zeigen [2]. Solche Therapien gehören allerdings in die Hände von erfahrenen Tierärzten und sollten keineswegs selbständig einfach angewendet werden!! Außerdem ist die Misteltherapie zumindest in der Humanmedizin sehr umstritten, da die Studienlage eher gegen eine Wirkung spricht [8].

Für Menschen gelten Misteln ebenfalls als giftig [1].

Misteln auf der Pferdeweide

Wie schon erwähnt wachsen Misteln meiner Erfahrung nach häufig auf Bäumen auf Pferdeweiden. Problematisch dabei: sie sind giftig, vermehren sich schnell und zerstören auf lange Sicht den Wirtsbaum. Damit sind sie insbesondere für Obstbäume eine große Gefahr. Deshalb würde ich sie auf der Pferdeweide entfernen. Und wenn das nicht möglich ist, dann zumindest heruntergefallene Zweige aufsammeln.
Wo sie nicht stören, würde ich die Mistel aber wieder leben lassen. Für Vögel wie die Misteldrossel (Turdus viscivorus) sind sie besonders im Winter eine wichtige Nahrungsquelle.

Quellen

[1] Golte-Bechlte, Marianne; Spohn, Margot; Spon, Roland (2015): Was blüht denn da?, 59. Auflage. Stuttgart: Frachkh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG. S. 262f., 400f.
[2] Reichling; Frater-Schröder; Saller; Fitzi-Rathgen & Gachnian-Mirtscheva (2016): Heilpflanzenkunde für die Veterinärpraxis. 3. Auflage. Berlin-Heidelberg: Springer Verlag GmbH. S.  276ff., 316f.
[3] Liath, Claudia (2012): Das Kräuterhandbuch für Pferde (2012): Altes Pflanzenwissen neu entdeckt. Norderstedt: Books on Demand GmbH. S. 172
[4] Pferderevue (2012): Birkengerten für die Spanische unter https://www.pferderevue.at/aktuelles/sonstiges/2012/02/birkengerten_fuerdiespanische.html am 18.07.19
[5] Nabu Sachsen (2017): Die zwei Seiten der Mistel unter https://sachsen.nabu.de/news/2017/22058.html am 22.07.19
[6] Clinitox unter https://www.vetpharm.uzh.ch/wir/PFLA0000/0161__F.htm am 22.07.19
[7] Botanikus unter https://botanikus.de/informatives/giftpflanzen/alle-giftpflanzen/mistel/ am 22.07.19
[8] Deutsches Krebsforschungszentrum (2016): Misteltherapie gegen Krebs unter https://www.krebsinformationsdienst.de/behandlung/mistel.php am 22.07.19

Achtung:
Dieser Text ersetzt keinesfalls den Besuch eines Tierarztes! Bitte lass Dir die Verwendung von Heilpflanzen zuerst von einem Tierarzt zeigen und erklären! Insbesondere die Dosierung für die Innere Anwendung solltest du immer mit Deinem Therapeuten absprechen!

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