Hagebutten Pferde
Pflanzen,  Pflanzenbestimmung

Hagebutten für Pferde (Rosa L. )

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“Das Männlein dort auf einem Bein
Mit seinem roten Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein
Kann nur die Hagebutte sein.”

— August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, “Ein Männlein steht im Walde”, 3. Strophe

Auch unter Pferdemenschen wird gern gerätselt: “Ist das eine Hagebutte, oder nicht?” und “Kann ich die jetzt schon/noch pflücken?”

Anders als oft vermutet handelt es sich bei Hagebutten um Früchte aller Rosen (Rosa L.), nicht nur um die der Hundsrose (Rosa canina L.). Glücklicherweise sind alle Sorten ungiftig [4] und somit für Mensch und Pferd (fr)essbar. Es ist also nicht wichtig, dass Du die genaue Art bestimmen kannst, weshalb ich mich in diesem Artikel auf die allgemeinen Merkmale von Rosen beziehe.

Erkennungsmerkmale und Vorkommen

Mit den spitzen Stacheln einer Rose hat vermutlich jeder von uns schon einmal Bekanntschaft gemacht….

Rosen sind Pflanzen aus der Gattung der Rosengewächse (Rosaceae) mit mehreren hundert verschiedenen Arten und noch viel mehr Sorten.

Typischerweise sind Rosen Sträucher mit Stacheln, Hagebutten und unpaarig gefiederten Blättern. Die Sträucher können mehrere Meter hoch werden [1].

Ab etwa Juli/August bilden sich die ersten Hagebutten und verbleiben, sofern sie nicht geerntet oder gefressen werden, bis zum nächsten Frühjahr am Strauch. Hagebutten sind sogenannte Sammelnussfrüchte, weil sie in ihrem Inneren kleine Nüsschen mit borstigen Härchen enthalten [2].

Dünen-/Bibernellrose

Bei Hautkontakt (beim Menschen) können diese einen starken Juckreiz auslösen, weshalb sie früher gerne als Juckpulver genutzt wurden [2].

Zur Fruchtreife reicht das Farbspektrum von Hagebutten von orange über das klassische knallrot bis zu schwarz (die Bibernell-Rose Rosa pimpinellifolia L.).

Inhaltsstoffe

Besonders bekannt sind Hagebutten durch ihren hohen Vitamin C – Gehalt (Ascorbinsäure), der allerdings von Sorte zu Sorte schwankt [4]. Außerdem sind u.a. Vitamin K, A, B6, Gerbstoffe, und einige Mineralstoffe, wie Zink, Magnesium, Eisen und Kalzium enthalten [5].
Außerdem enthalten Hagebutten auch einen natürlichen Anteil an Zucker [5], der je nach Sorte ebenfalls schwankt. Daher würde ich persönlich Hagebutten auch nicht uneingeschränkt bei Hufrehe-Pferden empfehlen…

Wirkung

Es existieren wohl einige Studien, die sich mit der Wirkung von Hagebutten auseinandersetzen, allerdings habe ich teils wiedersprüchliche Angaben gefunden, weshalb ich mich hier ausschließlich auf die volkstümliche Anwendung beziehe.

Demnach soll ein Tee aus Hagebutten bei Erkältungen helfen (Vitamin C) und die Kerne werden bei Blase- und Nierenleiden eingesetzt [1]. Die Kombination aus den verschiedenen Inhaltsstoffen soll als wahrer Immunbooster wirken und den Stoffwechsel von Pferden anregen [3]. Außerdem wird Hagebutten gerne eine entzündungshemmende und arthroselindernde Wirkung zugeschrieben.

Verwendung bei Pferden

Hagebutten werden ausschließlich innerlich angewandt, also direkt als Frucht oder Tee. Meiner Erfahrung nach gibt es bei Pferden nur “lieben oder hassen”. Entweder können die Pferde gar nicht genug davon bekommen, oder sie fressen sie überhaupt nicht.

Ich persönlich füttere Hagebutten ausschließlich als kleines (allerdings ziemlich zuckerreiches!) Leckerli. Im Sommer/Herbst frisch und sonst getrocknet.

Grundsätzlich können Pferde (im Gegensatz zu uns Menschen) ihr Vitamin C selbst synthetisieren (verantwortlich ist dafür das Enzym L-Gulonolactonoxidase, welches wir Menschen und einige wenige andere Tierarten nicht besitzen), und benötigen daher keine Ergänzung über das Futter [6].

Hagebutten Pflücken & ggf. Trocknen

“Hagebutten dürfen erst nach dem ersten Frost gepflückt werden” ist eine alte Volksweisheit, die immer noch gerne verbreitet wird. Der Hintergrund dabei ist, dass Hagebutten nach dem ersten Frost im Jahr bedeutend süßer und weicher werden (vielleicht kennst Du den so genannten Eiswein? Ähnliches Prinzip, nur mit Weintrauben). Außerdem lassen sich Fruchtfleisch und Kerne besser trennen.

Für unsere Pferde sind diese beiden Aspekte aber nicht relevant, sie fressen sie ganz. Wenn Du sie Trocknen möchtest, solltest Du sie sogar vorher pflücken, weil sie sonst matschig werden können.

Der genaue Pflückzeitpunkt hängt aber von der jeweiligen Rosensorte ab. Kartoffelrosen (Rosa rugosa Thunb.) bspw. bilden sehr früh (teilweise schon im Juni) Hagebutten [1], die dann natürlich auch früh gepflückt werden. Meine Hagebutten im Garten sind ab ca. Oktober schon sehr matschig und nicht mehr zum Trocknen geeignet.

Im allgemeinen kann man sagen, dass Du die Hagebutten pflücken kannst, wenn sie knallrot (oder schwarz, braun, orange… je nach Sorte) und prall sind. Allerspätestens aber, wenn sie ganz leicht weich und eindrückbar sind.

Hagebuttenpflücken
Welche Hagebutte würdest Du am liebsten pflücken/verfüttern? (alle am gleichen Strauch)

Zum Trocknen legst Du die Hagebutten am besten auf ein Tuch unter die Heizung oder bei schönem Wetter nach draußen in die Sonne. Ich weiß, dass viele ihre Hagebutten in einem Dörrautomaten trocknen – das habe ich persönlich aber nie ausprobiert und halte es auch nicht für notwendig.Hagebuttentrocknen

Nach einigen Wochen unter der Heizung sind die Hagebutten so trocken, dass Du sie gut in ein Glas füllen und mit in den Stall nehmen kannst. Geschimmelt ist bei mir noch nie etwas (ich bewahre sie aber auch max. ein dreiviertel Jahr, also bis zum nächsten Sommer, auf).

Rosen als Koppelbepflanzung

Meines Erachtens sind Rosen (neben Brombeeren) die ideale Koppel-Umpflanzung! Gepflanzt zwischen Weg und Zaun halten sie ungewünschte Zaunfütterer ab und dienen gleichzeitig den Pferden als gesunder Snack für zwischendurch (die gesamte Rose ist fressbar und meist recht beliebt, nicht nur die Hagebutten).

Außerdem sind Rosen pflegeleicht und gedeien in Deutschland fast überall. Der Umwelt tust Du außerdem noch etwas Gutes, denn Rosen dienen vielen Tieren (bspw. Mäusen) als Schutzgehölzer. Die Hagebutten schmecken nicht nur Mensch und Pferd, sondern dienen vielen Vögeln (z.B. Finken und Drosseln) als einzige Nahrung im Winter. Am besten pflanzt Du Wildrosen-Arten.

Auch viele Insekten kann man in der Nähe von Rosen beobachten. Hier z.B. einen Kleinen Admiral (Vanessa atalanta)

Hinweise

  • Vorsicht beim Berühren der Nüsschen im Inneren der Hagebutte! Sie können einen starken Juckreiz und Allergien auslösen.
  • Einige Rosenarten stehen unter Naturschutz, z.B. die Rotblättrige Rose (Rosa glauca)

Quellen

[1] Golte-Bechlte, Marianne; Spohn, Margot; Spon, Roland (2015): Was blüht denn da?, 59. Auflage. Stuttgart: Frachkh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG. S. 408 – 411

[2] Wikipedia (2019): Hagebutte. abgerufen unter https://de.wikipedia.org/wiki/Hagebutte am 01.05.19

[3] Liath, Claudia (2012): Das Kräuterhandbuch für Pferde: Altes Pflanzenwissen neu entdeckt. Norderstedt: Books on Demand GmbH. S. 160

[4] Bauer, Ute (2008): 300 Fragen zu Rosen. München: Gräfe und Unzer Verlag GmbH. S. 29f.

[5] U.S. Department of Agriculture unter https://fdc.nal.usda.gov/fdc-app.html#/food-details/168998/nutrients am 01.05.19

[6] Wikipedia (2019): L-Gulonolactonoxidase unter https://de.wikipedia.org/wiki/L-Gulonolactonoxidase am 01.05.19

Achtung:
Diser Text ersetzt keinesfalls den Besuch eines Tierarztes! Bitte lass Dir die Verwendung von Heilpflanzen zuerst von einem Tierarzt zeigen und erklären! Insbesondere die Dosierung für die Innere Anwendung solltest du immer mit Deinem Therapeuten absprechen!Hagebutte Pferd

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