Hagebutten Pferde
Pflanzen,  Pflanzenbestimmung

Hagebutten für Pferde (Rosa L. )

„Das Männlein dort auf einem Bein
Mit seinem roten Mäntelein
Und seinem schwarzen Käppelein
Kann nur die Hagebutte sein.“

— August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, „Ein Männlein steht im Walde“, 3. Strophe

Auch unter Pferdeleuten wird häufig gerätselt: „Ist das eine Hagebutte, oder doch nicht?“ und „Kann ich die jetzt schon/noch pflücken?“

Anders als oft vermutet handelt es sich bei Hagebutten um Früchte aller Rosen (Rosa L.), nicht nur die der Hundsrose (Rosa canina L.). Glücklicherweise sind alle Sorten ungiftig und für Mensch und Pferd (fr)essbar. Es ist also nicht wichtig, dass Du die genaue Art bestimmen kannst, weshalb ich mich in diesem Artikel auf die allgemeinen Merkmale von Rosen beziehe.

Erkennungsmerkmale und Vorkommen

Mit den spitzen Stacheln einer Rose hat vermutlich jeder von uns schon einmal Bekanntschaft gemacht….

Rosen sind Pflanzen aus der Gattung der Rosengewächse (Rosaceae) mit je nach Auffassung etwa 100 bis 300 verschiedenen Arten.

Typischerweise sind Rosen Sträucher mit Stacheln, Hagebutten und meist 5-7 unpaarig gefiederten Blättern. Die meist sommergrünen Sträucher werden je nach Art zwischen 0,5 und 4m hoch und blühen von Mai bis September.

Ab etwa Juli/August bilden sich die ersten Hagebutten und verbleiben, sofern sie nicht geerntet oder gefressen werden, bis zum nächsten Frühjahr am Strauch. Hagebutten sind sogenannte Sammelnussfrüchte, weil sie in ihrem Inneren kleine Nüsschen mit borstigen Härchen enthalten.

Dünen-/Bibernellrose

Bei Hautkontakt (beim Menschen) können diese einen starken Juckreiz auslösen, weshalb sie früher gerne als Juckpulver genutzt wurden.

Zur Fruchtreife reicht das Farbspektrum von Hagebutten von orange über das klassische knallrot bis zu schwarz (die Bibernell-Rose Rosa pimpinellifolia L.).

Heute kommen Rosen weltweit vor, ursprünglich nur auf der Nordhalbkugel. Im Allgemeinen bevorzugen sie einen sonnigen Standort.

Inhaltsstoffe

Besonders bekannt sind Hagebutten durch ihren hohen Vitamin C – Gehalt (ca. 426mg/100g). Außerdem sind Vitamin A, B1, B2 und E enthalten. Weiterhin enthält eine Hagebutte unter anderem Gerbstoffe, Kieselsäure und einige Mineralstoffe, wie Zink, Magnesium, Eisen und Kalzium.

Wirkung

Ein weiterer Inhaltsstoff, der besonders hervorzuheben ist, sind die Galactolipide. Dabei handelt es sich um eine chemische Verbindung aus Zucker, Fettsäure und Glycerin, welche Entzündungsreaktionen hemmen soll. Hagebutten können also Schmerzen lindern und zur Unterstützung bei Arthrose eingesetzt werden.

Der Nährstoffmix kann allgemein betrachtet als Immunbooster wirken, und deshalb gerade Pferden mit schwachem Immunsystem oder Infekten angeboten werden.

Verwendung bei Pferden

Hagebutten werden ausschließlich innerlich angewandt, also direkt als Frucht oder Tee. Meiner Erfahrung nach gibt es bei Pferden nur „lieben oder hassen“. Entweder können die Pferde gar nicht genug davon bekommen, oder sie fressen sie überhaupt nicht.

Ich persönlich füttere Hagebutten ausschließlich als kleines Leckerli und dann das gesamte Jahr über. Im Herbst frisch und sonst getrocknet.

Wenn Du die Hagebutten nur kurweise geben möchtest, solltest Du das am besten mit den frischen Hagebutten im Herbst tun, denn das ist genau die Zeit, in der Pferde sie auch in der Natur fressen würden.

Grundsätzlich können Pferde (im Gegensatz zu uns Menschen) ihr Vitamin C selbst synthetisieren (verantwortlich ist dafür das Enzym L-Gulonolactonoxidase, welches wir Menschen und einige wenige andere Tierarten nicht besitzen), und benötigen daher keine Ergänzung über das Futter.

Hagebutten Pflücken & ggf. Trocknen

„Hagebutten dürfen erst nach dem ersten Frost gepflückt werden“ ist eine alte Volksweisheit, die immer noch gerne verbreitet wird. Der Hintergrund dabei ist, dass Hagebutten nach dem ersten Frost im Jahr bedeutend süßer und weicher werden (vielleicht kennst Du den so genannten Eiswein? Ähnliches Prinzip, nur mit Weintrauben). Außerdem lassen sich Fruchtfleisch und Kerne besser trennen.

Für unsere Pferde sind diese beiden Aspekte aber nicht relevant, sie fressen sie ganz. Wenn Du sie Trocknen möchtest, solltest Du sie sogar vorher pflücken, weil sie sonst matschig werden können.

Der genaue Pflückzeitpunkt hängt aber von der jeweiligen Rosensorte ab. Kartoffelrosen (Rosa rugosa Thunb.) bspw. bilden meist sehr früh (teilweise schon im Juni) Hagebutten, die dann natürlich auch früh gepflückt werden können. Meine im Garten sind ab ca. Oktober meist schon sehr matschig und nicht mehr zum Trocknen geeignet.

Im allgemeinen kann man sagen, dass Du die Hagebutten pflücken kannst, wenn sie knallrot (oder schwarz, braun, orange… je nach Sorte) und prall sind. Allerspätestens aber, wenn sie ganz leicht weich und eindrückbar sind.

Hagebuttenpflücken
Welche Hagebutte würdest Du am liebsten pflücken/verfüttern? (alle vom gleichen Strauch)

Zum Trocknen legst Du die Hagebutten am besten auf ein Tuch unter die Heizung oder bei schönem Wetter nach draußen in die Sonne. Ich weiß, dass viele ihre Hagebutten in einem Dörrautomaten trocknen – das habe ich persönlich aber nie ausprobiert und halte es auch nicht für notwendig.Hagebuttentrocknen

Nach einigen Wochen unter der Heizung sind die Hagebutten so trocken, dass Du sie gut in ein Glas füllen und mit in den Stall nehmen kannst. Geschimmelt ist mir da noch nie etwas (ich bewahre sie aber auch max. ein dreiviertel Jahr, also bis zum nächsten Sommer, auf).

Rosen als Koppelbepflanzung

Meines Erachtens sind Rosen (neben Brombeeren) die ideale Koppel-Umpflanzung! Gepflanzt zwischen Weg und Zaun halten sie ungewünschte Zaunfütterer ab und dienen gleichzeitig den Pferden als gesunder Snack für zwischendurch (die gesamte Rose ist fressbar und meist recht beliebt, nicht nur die Hagebutten).

Außerdem sind Rosen pflegeleicht und gedeien in Deutschland fast überall. Der Umwelt tust Du außerdem noch etwas Gutes, denn Rosen dienen vielen Tieren (bspw. Mäusen) als Schutzgehölzer und die Hagebutten sind nicht nur für Mensch und Pferd sehr gesund, sondern dienen auch vielen Vögeln (z.B. Finken und Drosseln) als Nahrung im Winter.

Hagebutten für andere Tiere

Hagebutten sind nicht nur bei Mensch und Pferd beliebt, sondern auch für viele Tierarten, wie Kaninchen, Meerschweinchen (wobei ich bei diesen beiden Tierarten die Erfahrung gemacht habe, dass Hagebutten weder frisch noch getrocknet sonderlich beliebt sind) und Hunde fressbar. Auch für Katzen sind Hagebutten grundsätzlich ungiftig, bewusst füttern würde ich es ihnen, als reine Carnivoren (Fleischfresser) jedoch nicht.

Auch viele Insekten kann man in der Nähe von Rosen beobachten. Hier z.B. einen Kleinen Admiral (Vanessa atalanta)

Absolut überlebenswichtig sind sie aber für viele Vogelarten (s.o.), denn im Winter sind sie mitunter die einzige verbleibende Nahrung. Deswegen ist es ganz besonders wichtig, dass Du das Pflücken nicht übertreibst. Bitte pflücke niemals einen Strauch komplett leer, sondern versuche an verschiedenen Stellen Hagebutten zu sammeln. Am besten von verschiedenen Rosenarten, denn auch Vögel haben unter den Hagebutten ihre Vorlieben und fressen manche Sorten lieber als andere.

Hinweise

  • Vorsicht beim Berühren der Nüsschen im Inneren der Hagebutte! Sie können einen starken Juckreiz und Allergien auslösen.
  • Pflücke nur so viel, wie Du benötigst und lasse den Vögeln einige Hagebutten übrig!

Quellen

  • Golte-Bechlte, Marianne/Spohn, Margot/Spon, Roland: Was blüht denn da?, 59. Auflage. Stuttgart: Frachkh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, 2015
  • Liath, Claudia: Das Kräuterhandbuch für Pferde: Altes Pflanzenwissen neu entdeckt. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2012

Achtung:
Diser Text ersetzt keinesfalls den Besuch eines Tierarztes! Bitte lass Dir die Verwendung von Heilpflanzen zuerst von einem Tierarzt zeigen und erklären! Insbesondere die Dosierung für die Innere Anwendung solltest du immer mit Deinem Therapeuten absprechen!

 

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