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Behind the scenes: Islandpferde WM 2019

2013 war ich als Zuschauer auf der WM in Berlin und mein jugendliches Ich wollte damals unbedingt als Volunteer wiederkommen. Seitdem ist viel Zeit vergangen und ich habe eine völlig andere reiterliche Richtung eingeschlagen.

Vor etwas über einem Jahr schrieb mich dann eine frühere Stallfreundin an: „Guck mal Sarah, nächstes Jahr ist die Isi-WM wieder in Berlin. Hast du Lust als Volunteer mitzukommen?“. Mein erster Gedanke? „Nein“. Aus meinem Umfeld kam nur: „Willst du sowas wirklich unterstützen?“. Tja, gute Frage. Eigentlich ja nicht. Trotzdem ließ mich der Gedanke nicht mehr los. Wie kann ich eigentlich über etwas urteilen, was ich bisher nur aus Zuschauerperspektive kenne? Und wie läuft so ein Großevent überhaupt ab?

Irgendwann habe ich mich also doch registriert. Abmelden könnte ich mich ja immer noch. Außerdem lag Karlshorst quasi vor meiner Haustür und kostete mich nichts außer einigen Tagen Semesterferien, in denen ich außer Uni-Kram sowieso nichts Besseres zu tun hatte.

Und nun, einige Monate später, in denen ich all die Erfahrungen aus Berlin verarbeitet habe und diesen Artikel mehrfach begonnen und wieder verworfen habe, möchte ich Dir doch noch von meinen Erfahrungen erzählen.

Ich habe in Berlin tolle und sehr reflektierte Menschen kennengelernt. Menschen, die seit vielen Jahren reiten und in der Zeit viel Gutes und noch viel mehr Schlechtes gesehen haben, genauso wie Menschen, die teilweise gar nichts mit Pferden zu tun haben und nur auf der WM gearbeitet haben. Wir haben viel über die WM und die Sportreiterei diskutiert. Haben unseren Blick geschult und guten von schlechtem Tölt unterschieden. Aber von Anfang an.

30.07.-03.08.: Die Vorbereitungen

Bei der Anmeldung konnte man Wünsche äußern, in welchem Bereich man gerne arbeiten möchte. Vet-Bereich, Stall und Bahn waren wohl die “pferdenaheren Bereiche”. Aber es gab unter anderem auch Kinderbetreuung, Küche, Security und viele weitere. Ich bin letztendlich im Team Verwaltung gelandet. Ob das einer meiner Wünsche war, weiß ich nicht, aber es passt zu mir. Aspekte wie die eigene Ausbildung, Stärken/Schwächen, vorherige Volunteererfahrungen etc. wurden ebenfalls berücksichtigt.

Die Tage vor der WM habe ich also im WM-Office gearbeitet. Um herauszufinden, wie es hinter den Kulissen wirklich abgeht, ist das definitiv der perfekte Bereich! Hier kommt man auch ein wenig in Kontakt mit den Reitern/Teams aus den verschiedenen Ländern, Ausstellern und co. Und wenn es nur um das Erklären des Weges ging.
Gleichzeitig wurden aus dem Office auch die verschiedenen Volunteerteams organisiert. Ansonsten haben wir vor allem viiiiele Schilder für das gesamte Gelände gebastelt.

Alles in Allem hat man im Office tatsächlich einen sehr guten Einblick in das gesamte Verantstaltungsgeschehen bekommen. Obwohl ich selbst schon häufiger im Messebereich gearbeitet habe, bin ich immer wieder erstaunt, wie viel rein logistisch notwendig ist, um ein solches Event auf die Beine zu stellen.

04.08.-08.08.: Die WM

Ja, die WM selbst ging eigentlich noch länger, aber aus persönlichen Gründen musste ich leider schon am Donnerstag heimfahren.

Während der WM habe ich im Ticketing-Team gearbeitet. Zugegebener Maßen war ich anfangs etwas enttäuscht darüber und hätte lieber etwas anderes gemacht. Tickets verkaufen ist nämlich mein Haupt-Nebenjob neben dem Studium :D. Und auf der WM hätte ich dann doch irgendwie lieber mal etwas anderes ausprobiert.

Am Ende hat sich der Job also super schön herausgestellt, was vor allem an meinem unglaublich tollen Team lag! Ganz liebe Grüße an Euch 🙂
Außerdem hatte das Ticket-Verkaufen auf der WM durchaus seine Besonderheiten. Neben unzähligen Ticketkategorien mussten wir vor allem Kunden vertrösten, weil die Drucker andere Pläne hatten, als wir. Außerdem war das Publikum natürlich sehr international – und nicht jeder Kunde sprach Deutsch oder Englisch…

Das “Leben” als Volunteer

Da wir ja als Volunteer auf der WM waren, haben wir natürlich kein Geld dafür bekommen. Stattdessen durften wir das WM-Geschehen live mitverfolgen. Außerdem gab es leckeres Essen und einen Zeltplatz. Ich habe mit einigen anderen Mädels im Mannschaftszelt geschlafen, was besonders Abend eine sehr lustige Aktion war 😀 Ich habe mich ein wenig an meine Zeit als Reitferienlagerkind zurückerinnert gefühlt <3

Sponsoring WM 2019
Außerdem gab es für die Volunteers eine Komplettausstattung mit T-shirts, Jacke und Cappi. Alles gesponsort von Top Reiter.

Der Sport

Vermutlich hast Du erwartet, dass der Sport den größten Teil dieses Beitrags füllen würde. Genau genommen habe ich das auch, bevor ich nach Berlin gefahren bin.
Aber eigentlich habe ich gar nicht viel Reiterei gesehen. Zum einen, weil es mich tatsächlich gar nicht so sehr interessiert (also der Sport selbst) und zum anderen, weil es einfach so viel anderes zu sehen gab 🙂
Ich kann nur zusammenfassend sagen, dass ich vieles unschönes, aber auch einige sehr gute Reiter mit losgelassenen Pferden gesehen habe! Natürlich darf man den Punkt, dass so eine Veranstaltung einfach unglaublich stressig für die Pferde – ganz besonders für die waschechten Isländer aus Island – ist, nicht vergessen.
Trotz allem muss ich aber sagen, dass ich das Gefühl hatte, dass auch in der Islandpferdeszene langsam aber sicher ein Umdenken stattfindet. Schon allein die vielen kritischen Stimmen der anderen Volunteers haben mir das gezeigt.

Das “Drumherum”

Wenn ich schon vom Sport kaum etwas mitbekommen habe, was habe ich dann eigentlich den ganzen lieben langen Tag lang gemacht? Gearbeitet habe ich schließlich immer nur etwa 4-5h.
Tja, tatsächlich haben mich besonders die Veranstaltungen drumherum interessiert. Ich habe überall mal vorbeigeguckt. Zuchtprüfungen, Tag der Inklusion (dazu ein kleiner Filmtipp: “Stiller Kamerad”), Vorstellung verschiedener Berufe rund ums Pferd und natürlich das Messegelände, welches jedes Isi-Reiter-Herz höherschlagen lässt.

Einer der schönsten Momente für mich war der Länderabend in der ersten Woche. Dort haben sich die einzelnen Nationen vorgestellt und viele landestypische Leckerein mitgebracht. Mit einem kleinen Ständchen der isländischen Mannschaft ist der Abend musikalisch ausgeklungen 🙂

Die Abende während der WM haben wir gerne am Lagerfeuer bei der Märchenerzählerin Fabulix verbracht. Tagsüber gab es Märchen für die Kleinen und Abends für die Großen 😉

Und nun?

Bin ich sehr froh, dass ich letztendlich doch zur WM gefahren bin. Ich habe neue Freunde gefunden und viel Spaß gehabt.
Man darf natürlich nicht abstreiten, dass das ganze Event vor allem Zulasten der Pferde geht. Wobei ich durchaus das Gefühl hatte, dass heute deutlich mehr Wert auf das Pferdewohl gelegt wird, als noch vor einigen Jahren.

Eine weitere WM wird es für mich aber wohl nicht geben. Ist einfach nicht meine (Pferde-) Welt.

Ein Kommentar

  • Vanessa

    Hallo Sarah,

    schade, dass du nicht schon eher von deinen Plänen als Volunteer bei der WM zu helfen berichtet hast! Ich war nämlich auch vor Ort (aber als “normaler” WM-Besucher), denn wenn man schon mal so ein Event vor der Haustür hat, dann kann man das ja auch mal mitnehmen.
    Ganz gefährlich war da aber auch die Messe mit den ganzen schönen Sachen… eigentlich wollte ich nichts kaufen, aber wie das immer so ist, meinem Geldbeutel tat der Ausflug dann schon etwas weh 😉

    Ich war bereits auch schon bei solchen Events freiwillig zum Helfen vor Ort. Bei mir war es bereits zwei mal die IceHorse in Berlin, das war auch eine unheimlich tolle Erfahrung (auch da gab es schöne Jacken von TopReiter 😀 ).

    Liebe Grüße
    Vanessa

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