Labkraut Klebkraut Pferd
Pflanzen,  Pflanzenbestimmung

Labkraut für Pferde (Galium aparine, verum & mollugo agg. L.)

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Die Gattung Labkräuter (Galium L.) bezeichnet über 600 verschiedene Pflanzen, die drei (meiner Erfahrung nach) häufigsten auf deutschen Pferdeweiden stelle ich Dir hier etwas näher vor: Wiesenlabkraut (Galium mollugo agg.), Gewöhnliches Klettenlabkraut (Galium aparine) und Echtes Labkraut (Galium verum).

Auf fast jeder Weide habe ich bisher Labkräuter gesehen, aber den meisten Menschen scheinen sie eher unbekannt zu sein. Traditionell wurden sie bei der Käseherstellung für die Gerinnung der Milch verwendet. Davon leiten sich auch sowohl der deutsche („Lab“) als auch der wissenschaftliche (griech. „Gala“ = Milch) Name dieser Pflanzengattung ab [1].
Im Volksmund ist der Name Klebkraut weitaus bekannter, auch wenn er eigentlich nur einen Vertreter (das Klettenlabkraut) aus der Gattung benennt.

Erkennungsmerkmale und Vorkommen

Bei Labkräutern handeln es sich um Pflanzen aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), die durch ihren 4-kantigen Stiel gut erkennbar sind. Die hier vorgestellten Arten enthalten keinen Milchsaft, wodurch sie sich von anderen Pflanzen gut unterscheiden lassen.
Die Blätter von Labkräutern sind in Quirlen zu je verschiedenen Anzahlen rund um den Stiel angeordnet. Die Blüten sind sternförmig [1].

Klettenlabkraut, Klebkraut Pferd
Klettenlabkraut, Quelle: CC BY-SA 3.0, Link

Das Klettenlabkraut ist eine einjährige und bis zu 2m hohe Pflanze, die sich, wie der Name schon verrät, dank ihrer rückwärts gerichteten Borsten überall heran klettet bzw. „klebt“. Dadurch erweckt die Pflanze häufig den Eindruck, sie würde Ranken.
Von Juni bis Oktober ist das Klettenlabkraut weiß-blühend in fast ganz Europa häufig anzutreffen und kommt auch übrigen Teilen der Welt als Neophyt vor [1].
Das Echte Labkraut besticht durch seine auffälligen goldgelben Blüten, die von Juni bis September zu sehen sind [1]. Es ist in ganz Eurasien verbreitet [4]. Im Vergleich zum Kletten- und Wiesenlabkraut ist das Vorkommen vom Echten Labkraut meiner Erfahrung nach deutlich geringer.
Die Pflanze duftet honigartig und besitzt spitze Blätter, die auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite grau sind [1].
„Wiesenlabkraut“ ist eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere, sehr ähnliche Arten, wie z.B. das Weiße Labkraut (Galium album). Die Stauden blühen weiß.
In Mitteleuropa ist das Wiesenlabkraut sehr weit verbreitet und sowohl auf Wiesen, als auch an Wald- und Gebüschrändern zu finden. Meist wächst es nährstoffreichen Böden[1].

Inhaltsstoffe

Die Hauptinhaltsstoffe des Labkrauts sind Kieselsäure [3], Flavonoide, Iridoidglykoside und Phenolcarbonsäuren [4].
Außerdem enthält es das bereits angesprochene, dem Labenzym-ähnliche, Protein zur Käseherstellung [1].

Wirkung

Bisher scheinen in Bezug auf den Menschen keine wissenschaftlichen Belege für die Wirkung von Labkräutern zu existieren [4] und auch in Bezug auf Tiere/Pferde konnte ich keine Beweise finden. Sie sind jedoch auch nirgendwo als Giftpflanzen gekennzeichnet.

In der Volksheilkunde werden Labkräuter aber auf vielfache Weise eingesetzt:
Die enthaltene Kieselsäure der Labkräuter soll Hufe und Fell stärken [2]. Äußerlich angewandt gegen Geschwüre & Schwellungen helfen und Blutungen stillen [3].
Klettenlabkraut soll harntreibend,  blutreinigend und stoffwechselanregend wirken und dabei besonders Leber und Nieren anregen [2]. Daher soll es insbesondere bei Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, Erkrankungen der ableitenden Harnwege, sowie bei Hautkrankheiten oder Ekzemen helfen [3]. Es kann die Pferde auch im Fellwechsel unterstützen  [3].
Das Wiesenlabkraut wird meines Wissens nach nicht speziell in der Medizin genutzt, die Heilwirkung soll aber sehr ähnlich sein. Hier Erwähnung findet es hauptsächlich, weil es meiner Erfahrung nach am häufigsten auf deutschen Pferdeweiden vorkommt.

Wiesenlabkraut Pferd
Wiesenlabkraut

Hinweise

  • Die Informationen beziehen sich ausschließlich auf die oben genannten Arten Gewöhnliches Labkraut, Echtes Labkraut und Wiesenlabkraut!
  • Andere Labkräuter, wie z.B. der Waldmeister (Galium odoratum), sind giftig für Pferde (werden aber trotzdem auch häufig in der Heilkunde genutzt)
  • Labkräuter sind Futterpflanzen für viele Insekten, bspw. ernährt sich der Tatzenkäfer (Timarcha tenebricosa) ausschließlich vom Klettenlabkraut. Daher sollte man Labkräuter nicht grundlos von Wiesen entfernen.

Quellen

[1] Golte-Bechlte, Marianne; Spohn, Margot; Spon, Roland (2015): Was blüht denn da?, 59. Auflage. Stuttgart: Frachkh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG. S. 126f., 264

[2] Liath, Claudia: Das Kräuterhandbuch für Pferde (2012): Altes Pflanzenwissen neu entdeckt. Norderstedt: Books on Demand GmbH. S. 190

[3] Naujoks, Claudia (2017): Naturheilkräuter für Pferde, 1. Auflage. Schwarzenbek: Cadmos-Verlag.

[4] Kooperation Phytopharmaka GbR unter http://www.arzneipflanzenlexikon.info/labkraut.php abgerufen am 29.04.19

Achtung:
Diser Text ersetzt keinesfalls den Besuch eines Tierarztes! Bitte lass Dir die Verwendung von Heilpflanzen zuerst von einem Tierarzt zeigen und erklären! Insbesondere die Dosierung für die Innere Anwendung solltest du immer mit Deinem Therapeuten absprechen!

Klebkraut Pferd

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