Labkraut Klebkraut Pferd
Pflanzen

Labkräuter für Pferde (Galium aparine, verum & mollugo agg. L.)

Die Gattung Labkräuter (Galium L.) bezeichnet über 600 verschiedene Pflanzen, die zwei (meiner Erfahrung nach) am Häufigsten auf deutschen Pferdeweiden zu findenden möchte ich Dir heute etwas näher vorstellen.
Und zwar das Wiesenlabkraut (Galium mollugo agg.), das Gewöhnliche Klettenlabkraut (Galium aparine) und das Echte Labkraut (Galium verum). Auf fast jeder Weide habe ich bisher Labkräuter stehen sehen, aber den meisten Menschen scheinen sie eher unbekannt zu sein, obwohl es traditionell bei der Käseherstellung für die Gerinnung der Milch verwendet wurde. Davon leiten sich auch sowohl der deutsche („Lab“) als auch der wissenschaftliche (griech. „Gala“ = Milch) Name dieser Pflanzengattung ab.
Im Volksmund ist der Name Klebkraut weitaus bekannter, auch wenn er eigentlich nur einen Vertreter (das Klettenlabkraut) aus der Gattung bezeichnet.

Erkennungsmerkmale und Vorkommen

Bei Labkräutern handeln es sich um Pflanzen, meist Stauden, aus der Familie der Rötegewächse (Rubiaceae), die durch ihren 4-kantigen Stiel gut erkennbar sind. Die hier vorgestellten Arten enthalten keinen Milchsaft, wodurch sie sich von anderen Pflanzen gut unterscheiden lassen.
Die Blätter von Labkräutern sind in Quirlen zu je verschiedenen Anzahlen rund um den Stiel angeordnet. Die Blüten sind sternförmig.

Klettenlabkraut, Klebkraut Pferd
Klettenlabkraut, Quelle: CC BY-SA 3.0, Link

Das Klettenlabkraut ist eine einjährige und bis zu 2m hohe Pflanze, die sich, wie der Name schon verrät, dank ihrer rückwärts gerichteten Borsten überall heran klettet bzw. „klebt“. Dadurch erweckt die Pflanze häufig den Eindruck, sie würde Ranken.
Von Juni bis Oktober ist das Klettenlabkraut weiß-blühend in fast ganz Europa häufig anzutreffen und auch in den übrigen Teilen der Welt als Neophyt zu finden.
Das Echte Labkraut besticht durch seine auffälligen goldgelben Blüten, die von Juni bis September zu sehen sind. Es ist in ganz Eurasien verbreitet, aber westlich der Weser eher selten zu finden. Auch im Vergleich zum Kletten- und Wiesenlabkraut ist das Vorkommen vom Echten Labkraut deutlich geringer.
Die Pflanze duftet honigartig und besitzt je 8-12 stachelspitzige Blätter, die auf der Oberseite dunkelgrün und auf der Unterseite kurzhaarig grau sind. Es wird etwa 30-60cm hoch.
„Wiesenlabkraut“ ist eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere, sehr ähnliche Arten, wie z.B. das Weiße Labkraut (Galium album). Die Stauden besitzen einen üppigen und weißen Blütenstand, die Blätter sind in Quirlen zu je 6-9 einzelnen.
In Mitteleuropa ist das Wiesenlabkraut sehr weit verbreitet und sowohl auf Wiesen, als auch an Wald- und Gebüschrändern zu finden. Meist wächst es nährstoffreichen Böden.

Inhaltsstoffe

Echtes Labkraut, Von Carl Axel Magnus Lindman«Bilder ur Nordens Flora» Stockholm, Gemeinfrei

Die Hauptinhaltsstoffe des Klettenlabkrauts sind hauptsächlich Kieselsäure, Gerbstoffe, Glykoside und Flavonoide.
Die des Echten Labkrauts  Ätherische Öle, Organische Säuren, sowie ebenfalls Flavonoide und Gerbstoffe.
Außerdem enthalten alle Arten das bereits angesprochene, dem Labenzym-ähnliche, Protein zur Käseherstellung.

Wirkung

Die enthaltene Kieselsäure des Klettenlabkrauts stärkt Hufe, Haut und Fell. Äußerlich angewandt hilft es bei Geschwüren, Schwellungen (Ödemen) und stillt Blutungen.
Klettenlabkraut wirkt harntreibend, entschlackend, blutreinigend und stoffwechselanregend, dabei besonders die Nieren anregend. Daher eignet es sich insbesondere bei Stoffwechselerkrankungen wie Cushing, Erkrankungen der ableitenden Harnorgane, sowie für Pferde, die unter Hautkrankheiten oder Ekzemen leiden. Daher kann es die Pferde auch im Fellwechsel unterstützen.
Es regt das Lymphsystem und den Blutkreislauf an, und eignet sich daher auch gut für an Hufrehe erkranke Pferde und Ponys.
Auch das Echte Labkraut kann zur Entgiftung genutzt werden und stärkt ebenfalls die Haut, das Fell und den Magen-Darm-Trakt. Es hat ebenso eine stark harntreibende Wirkung.
Das Wiesenlabkraut wird in der Regel nicht speziell in der Medizin genutzt, die Heilwirkung ist aber sehr ähnlich und es ist ungiftig. Hier Erwähnung findet es hauptsächlich, weil es meiner Erfahrung nach am häufigsten auf deutschen Pferdeweiden vorkommt und von Pferden auch häufig gefressen wird.

Anwendung bei Pferden

Äußerlich als Umschlag angewendet stillen die hier angesprochenen Labkräuter Blutungen und können Geschwüre lindern. Du kannst auch Frischsaft auf die betroffenen Stellen träufeln.
Innerlich als Tee oder Kraut angewendet entfaltet es die unter Punkt 3 angesprochenen Heilwirkungen. Wie immer sollte auch das Labkraut nach Möglichkeit frisch verfüttert werden. Natürlich kannst Du aber auch die getrocknete Pflanze verwenden.

Labkräuter für andere Tiere

Wiesenlabkraut Pferd
Wiesenlabkraut

Zum einen können auch wir Menschen die angesprochenen Labkräuter essen, z.B. als Smoothie, zum anderen stellen sie eine gute Futterquelle für viele Kleintiere, wie Kaninchen, Meerschweinchen, Hamster und Sittiche dar.
Hunde profitieren ebenfalls von der Heilwirkung der Labkräuter, für Katzen hingegen sind sie durch die enthaltenen ätherischen Öle giftig.
Außerdem sind Labkräuter Futterpflanzen für viele Insekten, bspw. ernährt sich der Tatzenkäfer (Timarcha tenebricosa) ausschließlich vom Klettenlabkraut. Daher sollte man Labkräuter nicht grundlos von Wiesen entfernen.

Hinweise

  • Die Informationen beziehen sich ausschließlich auf die oben genannten Arten Gewöhnliches Labkraut, Echtes Labkraut und Wiesenlabkraut!
  • Andere Labkräuter, wie z.B. der Waldmeister (Galium odoratum), sind giftig für Pferde (werden aber trotzdem auch häufig in der Heilkunde genutzt)

Quellen

  • Golte-Bechlte, Marianne/Spohn, Margot/Spon, Roland: Was blüht denn da?, 59. Auflage. Stuttgart: Frachkh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG, 2015
  • Liath, Claudia: Das Kräuterhandbuch für Pferde: Altes Pflanzenwissen neu entdeckt. Norderstedt: Books on Demand GmbH, 2012
  • Naujoks, Claudia: Naturheilkräuter für Pferde, 1. Auflage. Schwarzenbek: Cadmos-Verlag, 2017

 

Achtung:
Diser Text ersetzt keinesfalls den Besuch eines Tierarztes! Bitte lass Dir die Verwendung von Heilpflanzen zuerst von einem Tierarzt oder Tierheilpraktiker zeigen und erklären! Insbesondere die Dosierung für die Innere Anwendung solltest du immer mit Deinem Therapeuten absprechen!

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