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Marismeño – Die vergessenen Pferde Spaniens [Wildpferde in Europa #1]

Echte Wildpferde gibt es leider nirgendwo auf der Welt mehr, denn, wie man vor Kurzem herausfand, sind auch die Przewalski-Pferde nur verwilderte Hauspferde. Doch verwilderte Pferdeherden findet man deutlich häufiger, als Du vielleicht vermutest. Neben den Bosnischen Gebirgspferden in Bosnien-Herzegowina oder den Exmoor und Dartmoor Ponys in England gibt es auch noch eine fast vergessene Pferdeherde im Süden Spaniens: Die Marismeños.

Stute Fohlen Wasserstelle
Stute mit Fohlen an der Wasserstelle

Auch ich habe nur zufällig in einem Reiseführer von den wilden Pferden Andalusiens gelesen, aber natürlich stand für mich sofort fest: Da muss ich hin! Wildpferde üben nämlich schon seit meiner frühen Kindheit eine unglaubliche Faszination auf mich aus und ich träume schon lange davon, einmal mit echten Wildpferden auf Tuchfühlung zu gehen. Das war in Andalusien zwar nicht möglich, weil die Pferde (in Anbetracht der Besucherzahlen glücklicherweise) hinter einem Zaun waren. Trotzdem war es für mich ein ganz besonderes Ereignis.

Heute möchte ich Dir ein wenig mehr über die Marismeños erzählen und natürlich verraten, wo auch Du sie erleben kannst.

Die Pferderasse „Marismeño“

Legenden zufolge leben die Marismeño-Wildpferde bereits seit der Eiszeit im sumpfigen Delta des Guadalquivir-Flusses in der Provinz Huelva. Daher werden sie auch als Sumpfpferde bezeichnet (von spanisch marisma, Sumpf). Obwohl sie als die Vorfahren vieler heutigen spanischen Pferderassen, wie z.B. dem P.R.E. (Pura Raza Española) gelten, wurden die Marismeños bis 2003 nicht als eigenständige Rasse anerkannt.

Heute allerdings ist die Rasse im Catálogo Oficial de Razas de Ganado de España (Offizieller Katalog der Nutztiere Spaniens) in der Gruppe der autochthonen Rassen als vom Aussterben bedroht aufgeführt. Aktuell leben wohl etwa 1000 Pferde im Nationalpark.

Nationalpark Donana

Obwohl die erste offizielle Erwähnung bereits aus dem Jahr 1504 stammt (mehr dazu findest Du im Abschnitt Saca de las Yeguas), gilt der portugiesische Hippologe Ruy d’Andrade, der ebenfalls 1920 bereits die Sorraias in Portugal entdeckt hat, als Entdecker der Marismeños.

Ursprünglich entsprach das Aussehen der Marismeños dem „typischen Wildpferd“, also falbfarbenes Fell mit Aalstrich und Zebrastreifen an den Beinen. Durch die Vermischung mit Fremdblut finden sich heute jedoch alle Fellfarben außer Schecken. Das Exterieur ähnelt dem klassischen Iberer, d.h. ein gerader oder leicht konvexer Kopf (Ramsnase), ein tief angesetzter Schweif sowie ein quadratischer und muskulöser Körperbau. Insgesamt gelten die Marismeños auf Grund ihrer Herkunft als die etwas robusteren Andalusier.

Wo Du die Wildpferde findest

Wie ich schon angesprochen habe, leben die Marismeños im Südwesten Andalusiens, genau genommen im Nationalpark Coto de Doñana (Parque Nacional de Doñana), Spaniens größtem Feuchtgebiet. Teile des Gebietes sind zeitweise überschwemmt, weshalb es dort auch im Hochsommer deutlich grüner, als im Rest von Spanien ist.

Der Nationalpark ist nur mit Voranmeldungen und mit Führungen zugänglich. Und das ist auch gut so, denn neben den Wildpferden leben dort noch viele weitere bedrohte Tier- und Pflanzenarten, wie z.B. der Pardelluchs (Lynx pardinus) und der Spanische Kaiseradler (Aquila adalberti).

Wildpferd und Kuhreiher
In der Doñana können viele Tiere fast ungestört zusammenleben. Hier ein Wildpferd und ein Kuhreiher, Bildquelle

Glücklicherweise kannst Du die Wildpferde trotzdem sehen, indem Du die kleine Stadt El Rocío besuchst. El Rocío ist in vielerlei Hinsicht sehenswert, denn dort hat man das Gefühl, sich in einer amerikanischen Westernstadt, denn in Spanien zu befinden. Befestigte Wege gibt es kaum, Reiter und Kutschen dagegen sieht man viele. Natürlich gibt es auch vor jedem Haus einen Anbindebalken…. Ich hatte ein kleines bisschen das Gefühl, dort meinen Mädchentraum zu leben 😀 Auch wenn ich viele Reiter und Kutschenführer lieber auf dem Boden gesehen hätte…

Falls Du übrigens „Ostwind 3 – Aufbruch nach Ora“ gesehen hast: El Rocío ist genau der Ort, in welchem Mika vor der Kirche einen Einheimischen trifft, der ihr den Weg nach Ora zeigt 🙂

Nun aber wieder zu den Wildpferden: Wenn Du in El Rocío der Straße nach Matalascañas folgst (zu Fuß, mit dem Auto kann man nämlich erst viele Kilometer später wieder wenden, wir haben es ausprobiert :D), solltest Du auf der linken Seite einige ältere „Aussichtshäuschen“ und einen kilometerlangen Zaun sehen. Dort befindet sich die (oder eine?) Wasserstelle, an der die Pferde im Sommer getränkt werden. Ich habe dort eine große Herde (etwa 100 Pferde würde ich schätzen) mit vielen Fohlen gesehen.
Im Laufe des Tages ist die Herde etwas gegen Osten, direkt vor die Tore El Rocíos, gezogen. Dort kannst Du einem Wanderweg ein Stück am Rande des Nationalparks folgen und vielleicht auch den ein oder anderen Flamingo sehen.

Marismas
Die sogenannten Marismas – also die im Winter überschwemmten Gebiete

In den Nationalpark herein kommt man, wie schon erwähnt, nur mit einer Tour. Entweder mit Bussen, Jeeps oder zu Pferd. Diese Möglichkeiten wollte ich jedoch nicht unterstützen, um die ansässigen Tierarten zu schützen. Und wie touristisches Reiten in Spanien aussieht, kannst Du Dir vermutlich leider vorstellen. Einen kleinen Einblick erhält man in einem Reitsportgeschäft direkt neben der Kirche in El Rocio. Für wenig Geld kann dort leider jeder eine blanke Serreta erwerben (und ich ärgere mich ja ein klitzekleines bisschen, dass ich mir keine zu Anschauungszwecken mitgenommen habe).

Die meisten Marismeños wirst Du allerdings bei folgendem Event sehen können:

Saca de las Yeguas

Schon im Jahre 1504 beschloss der damalige Herzog von Medina-Sedonia (einer Stadt in Andalusien), das Eintreiben der Wildpferde zu regulieren und nannte die Veranstaltung Saca de las Yeguas („Der Auszug der Stuten“). Allerdings deutet alles darauf hin, dass die Tradition des Eintreibens schon deutlich älter ist. Seitdem findet sie jedes Jahr am 26. Juni statt, im Rahmen eines mehrtägigen Dorffestes zu Ehren des Schutzpatron San Pedro.

An diesem Tag treiben bei der Saca de las Yeguas  reitende Bauern, die Yegüerizos genannt werden, die Marismeños zuerst nach Almonte, wo sie gewaschen, die Mähnen geschnitten, die Hufe beschlagen und sie sogar geimpft werden, und danach wieder zurück nach El Rocío. Dort werden sie auf einem Pferdemarkt meistbietend versteigert. Alle nicht verkauften Pferde kommen wieder zurück in den Nationalpark.

Einen besseren Einblick in das Treiben bekommst Du in folgendem Video:

Wie bedeutend diese jahrhundertealte Tradition für die Menschen in der Umgebung ist, zeigt auch ein Spruch am Denkmal der Yegüerizos von Luis Moreno Cutando in Almonte: „Wer noch nie ein Pferd aus dem Sumpf entführt hat, weiß nicht, was es bedeutet, zu reiten.“

Nein, ich selbst war bei diesem Schauspiel nicht dabei, und bin mir auch nicht sicher, ob ich das überhaupt möchte. Ich habe in Spanien und in diversen Videos so viel Unschönes in Bezug auf die Pferde gesehen, dass ich das ganze Spektakel eigentlich nicht unterstützen möchte. Auch wenn ich vermute, dass das Eintreiben der Dülmener Wildpferde z.B. auch nicht viel pferdefreundlicher abläuft. Vielleicht warst Du ja schon einmal dabei und möchtest in den Kommentaren erzählen, wie Du ein solches Event erlebt hast?

Alles in Allem war der Tag bei den Wildpferden aus Andalusien aber ein tolles Erlebnis, welches ich hoffentlich im nächsten Jahr auf einem anderen Erdteil wiederholen werde *-* Hast Du schon einmal Wildpferde/verwilderte Pferde gesehen? Wenn ja, wo? Erzähle mir doch gerne von Deinen Erlebnissen!

Liebe Grüße

Sarah

 

 

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