Erinnerungen statt Dinge sammeln
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Minimalismus im Pferdestall oder wieviel benötigt Dein Pferd wirklich?

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Minimalismus ist Trend. Erinnerungen statt Dinge sammeln ist das Motto. Auch ich bin ein riesiger Fan davon, weil es mich unheimlich befreit, nur noch das Nötigste zu besitzen. Minimalismus ist die Gegenbewegung zum aktuellen Konsumwahn. Nur kaufen (besitzen/leihen/…), was man wirklich braucht und sich von Unnötigem trennen.

Auch für unser liebes Getier gibt es viele tolle Dinge. Bunte Schabracken und Steigbügel. Diverse Gebiss-/Trensenvariationen und von den vielen Futtersäcken will ich gar nicht anfangen. Jeder von uns kennt die Auswahl auf Messen oder in Fachgeschäften.
Die Frage, die wir uns dabei nur etwas häufiger stellen sollten, ist:

Wie viel davon braucht mein Pferd wirklich?

Dabei muss uns zu allererst klar werden: Unsere Pferde selbst benötigen außer Luft, Liebe, Futter, Wasser und Platz erst einmal nicht viel. Sattel, Trense und co. brauchen nämlich nur wir. Um unser Pferd zu nutzen“.

1. Mach Dir bewusst, was Du bereits besitzt

Aus dem Auge, aus dem Sinn. Das gilt insbesondere für Gegenstände, die irgendwo tief im Schrank verstaut sind, und die wir selten nutzen. Da kann es schnell passieren, dass man vergisst, dass hinten im Spind noch weiße Bandagen liegen. Oder das Lederfett. Lieber schnell mal im Laden mitgenommen. Bevor es später fehlt. Das kennen wir doch alle. Egal ob im Supermarkt oder Reitsportgeschäft.
Zuerst muss uns also bewusst werden, was wir eigentlich alles besitzen. Nutze doch einfach mal den nächsten schönen Frühlingstag und räume alles, was Du für Dein Pferd besitzt, auf einen Haufen.

2. Sortieren!

Nutze ich regelmäßig/nutze ich selten/nutzte ich definitiv irgendwann/nutze ich nie
4 Kategorien, 4 Kartons. Sortiere alle Deine Gegenstände in diese Kartons!

Oft fällt dabei auf, dass man seine “Lieblingsgegenstände” hat, die man regelmäßig und gerne nutzt, wohingegen sich anderes als unpassend etc. herausgestellt hat.
Und wieder anderes wird man vielleicht erst benutzen, wenn das Pferd etwas älter geworden ist/im Training weiter fortgeschritten ist (denn natürlich sollst Du Dich nicht sofort von Deinem guten Ledersattel trennen, nur weil Du gerade nicht reitest!).

Das meiste aus den Kategorien “Nutze ich nie” und “Nutzte ich selten” ist aber vermutlich überflüssig in Deinem Schrank. Vielleicht besitzt Du es doppelt oder hattest es mal für einen bestimmten Anlass gekauft. Zeit also, sich von dem unnötigen Ballast zu trennen.

3. Weg damit!

….aber bitte nicht in den Müll! Zumindest nicht, wenn die Gegenstände noch funktional und nicht z.B. abgelaufen sind (Lebensmittel). Das wäre alles andere als nachhaltig und entspricht nicht dem Sinn von Minimalismus.

Verkaufen

Der Klassiker. Hat den besonderen Vorteil, dass man mehr Geld im Portemonnaie hat. Das kann man dann z.B. für “Erinnerungen” aka Reitstunden, Kurse, Urlaub etc. ausgeben. Oder einfach für den nächsten Tierarztbesuch sparen. Denn der kommt bestimmt irgendwann.
Vielleicht organisiert der Reitverein in der Nähe ja manchmal einen Pferdeflohmarkt? Dann probiere einmal dort Dein Glück!

Spenden/Verschenken

Schau einfach mal im Internet oder frage im Stall, ob jemand Gnadenhöfe u.ä. in eurer Nähe kennt. Insbesondere über Futterspenden freut man sich dort sicher sehr! Vielleicht freut sich aber auch Deine beste Stallfreundin über die Gamaschen, die Du sowieso nie benutzt?

Tauschpartys

Diese Idee finde ich persönlich ja total genial. Im Prinzip funktioniert es wie ein Flohmarkt, nur das eben kein Geld fließt sondern man tauscht (oder einfach mitnimmt, was einem gefällt). Die Gegenstände, die übrig bleiben.
Das leert den eigenen Schrank zwar meist nur wenig (weil man ja tauscht), aber immerhin haben ungenutzte Dinge einen neuen Besitzer bekommen, der hoffentlich mehr damit anfangen kann.

4. Bewusst kaufen

Dieser Punkt ist wohl der schwierigste. Schließlich wird man quasi 24/7 mit Werbung konfrontiert und vieles davon klingt wirklich verlockend….
Mir persönlich hilft es vor jedem Kauf noch einmal ganz genau darüber nachzudenken, ob ich das WIRKLICH brauche, oder einfach nur haben möchte. Und dann ob ich nicht vielleicht schon irgendwo einen Gegenstand besitze, der eigentlich den gleichen Zweck erfüllt.
Bevor Du etwas neu kaufst, könntest Du auch die anderem im Stall fragen. Bestimmt kann Dir jemand etwas leihen.

Ich persönlich finde auch die Regel “für jedes neue Teil muss ein altes gehen” sehr hilfreich.

Und warum das Ganze?

Tja, für mich gibt es ziemlich viele gute Gründe, die wichtigsten habe ich Dir hier einmal aufgeschrieben:

1. Du sparst Geld

Beispielsweise könntest Du Dein Geld in Zukunft in nachhaltigere Produkte (zumindest wenn Du sie wirklich benötigst :)) investieren.
Übrigens hat Karolina von 360° Pferd vor Kurzem einen ganz tollen Artikel über Nachhaltigkeit im Reitsport, der mir aus vollem Herzen spricht, veröffentlicht.

2. Du schonst die Umwelt

Denn Du vergeudest keine Ressourcen (weil Du keine ungenutzten Gegenstände mehr besitzt) und vermeidest unnötigen Müll.

3. Du musst weniger Aufräumen

Ich bin ja leider das lebende Chaos, aber Minimalismus hat mir selbst geholfen, Ordnung in meinen Kleiderschrank zu bringen. Der ist zwar jetzt auch nur noch halb voll, aber ich habe insgesamt viiiiel weniger Arbeit mit Suchen etc. Und wenn man nicht so viel besitzt, muss man auch nicht so viel wegräumen. Toll, oder?

4. Du hast weniger Stress

Weil Du Dich nicht mehr mit unnötigen Dingen beschäftigen und weniger suchen musst. Das spart ganz nebenbei noch Zeit. Der nächste Stallwechsel geht auch schneller, wenn Du nicht mehr so viel Unnötiges bei jedem Umzug mitschleppst.

Mein Rat zum Schluss: einfach anfangen. Auch wenn einen das ganze Thema am Anfang etwas schockt (insbesondere die Berge von ungenutzten Dingen). Niemand ist perfekt und auch ich besitzte immer noch Dinge, die ich eigentlich nicht (mehr) brauche. Beispielsweise habe ich eine Schwäche für schöne Bücher, obwohl ich weiß, dass ich sie niemals mehr in meinem Leben lesen werde. Aber von manchen Dingen kann man sich vielleicht erst zu einem späteren Zeitpunkt trennen.
Wichtiger ist, dass man lernt, bewusster zu konsumieren.

Wie siehst Du das? Besitzt Du viele Dinge für Dich und/oder Dein Pferd, von denen Du Dich vielleicht trennen könntest?
Ganz liebe Grüße
Sarah

Aussortieren
Insbesondere Putzzeug sammelt sich (bei mir) irgendwie immer super schnell an. Dabei benutzte ich sowieso immer nur die gleichen Dinge….

2 Kommentare

  • Birgit

    Finde ich eine gute Einstellung, die ich auch außerhalb des Stalls umzusetzen versuche:

    Lieber weniger Dinge besitzen, dafür gute, die lange halten. Ich bin immer halb amüsiert, halb verständnislos, wenn Pferdeleute sagen, sie hätten kein Geld, aber 20 Halfter im Stall hängen haben (und alle 2 Monate kommt eins dazu). Bewußter Konsumverzicht macht m.E. nachhaltiger glücklich als ständiger Konsum. Auch der Umweltgedanke spielt dabei für mich eine wichtige Rolle.

    Und für das gesparte Geld kann man sich dann etwas leisten, von dem man wirklich dauerhaft etwas hat.

    • Sarah

      Hallo Birgit,
      vielen Dank für Deinen Kommentar! Bitte entschuldige die späte Antwort.

      Das sehe ich ganz genau wie Du. Ich bin zwar selten in Ställen mit 20 Halftern pro Pferd (wir sind Selbsversorger), aber auf Messen habe ich das schon häufig beobachtet. Hier ein Halfter, dort die passende Schabracke. Dabei sind Pferde sowieso schon so ein teures Hobby…
      Liebe Grüße
      Sarah

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