Wildpferde Italien
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Pferde erleben,  Wildpferde

Sanfratellano – Wildpferde am Fuße des Vulkans (Wildpferde in Europa #2)

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Vor einigen Wochen bin ich mit dem Zug durch Sizilien gereist und einer meiner geplanten Stops (nein, eigentlich DER Hauptgrund für die Reise) waren die halbwilden Sanfratellani im Nebrodi Nationalpark. Letztendlich war ich leider gar nicht mehr dort, trotzdem möchte ich Dir erzählen, was ich über die Wildpferde alles in Erfahrung bringen konnte und auch, warum der Besuch am Ende nicht klappte.

Die Pferderasse “Sanfratellano”

Die Sanfratellani (razza di San Fratello) sind leichte Warmblüter, die halbwild in den Bergen des Nebrodi-Nationalparks leben. Ihren Namen haben sie von dem Bergdorf “San Fratello” im Norden Siziliens erhalten. Die Vergangenheit der Sanfratellani liegt im Dunkeln. Man vermutet allerdings, dass sie von den Pferden, die die Langobarden im 11. Jahrhundert nach Sizilien gebracht haben, abstammen [1]. Heute werden die Sanfratellani gezielt gezüchtet. Es sind kräftige, geländesichere Pferde mit einer Größe von etwa 150-165cm. Es gibt ausschließlich Braune, Dunkelbraune und Rappen. Abzeichen führen zum Ausschluss aus dem Zuchtregister [2]. Aktuelle Angaben über die Anzahl der Pferde konnte ich leider nicht finden. Eine Studie von 1991 zählte jedoch 3.852 Pferde. Aktuell gilt die Rasse als nicht vom Aussterben bedroht [3].

Wo Du die Sanfratellani findest

Der Nebrodi-Nationalpark zieht sich von der Küste des Tyrrhenischen Meeres bis zum Vulka Ätna im Westen der Insel
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Wie schon erwähnt leben die Wildpferde im Nebrodi-Nationalpark (Parco dei Nebrodi), welcher sich rund um das Nebrodi-Gebirge an der Nordküste Siziliens befindet.
Ich hätte als Ausgangspunkt San Fratello (Provinz Messina) selbst gewählt, in der Hoffnung, dort genauere Informationen über den Aufenthaltsort der Pferde zu erfahren. In Palermo und im Zug hatte leider nie jemand etwas von den Wildpferden gehört…
Eine zweite Herde soll wohl in der Region um Nicosia (Provinz Enna) leben [1].
Neben den Sanfratellani ist der Nebrodi-Nationalpark besonders für das Nebrodi Schwein (Nero siciliano) berühmt. Das ist eine kleine, alte Schweinerasse, die mittlerweile ebenfalls gezüchtet wird. Das Fleisch des Nebrodi-Schweins gilt als absolute Delikatesse und man kann es auf vielen Märkten in ganz Sizilien kaufen [4].

Man kann im Nebrodi-Nationalpark übrigens auch reiten. Christina von Herzenspferd hat während ihrem Reiturlaub auf Sizilien die Sanfratellano-Wildpferde gesehen.

Warum ich sie nicht gefunden habe

Gleich vorneweg: Ich habe nicht wirklich damit gerechnet, die Pferde zu sehen, auch wenn sie die grundsätzliche Ursache meiner Reise waren. Ich war nämlich im Zug unterwegs.

Die Strecke von Palermo nach Messina führt übrigens größtenteils direkt am Meer entlang – total schön!

Und in Ländern/Regionen, in denen das ÖPNV-netz bedeutend schlechter ausgebaut ist, als in Deutschland, gehe ich nicht wirklich davon aus, bis auf einen Berg zu kommen, wo man Wildpferde beobachten kann (selbst in DE sind viele Pferdeställe mit den ÖPNV ja absolut gar nicht zu erreichen). Per se ist es aber wohl möglich. Man kann mit dem Zug von Palermo oder Messina nach Sant’Agata die Militello fahren und von dort fährt ein paar Mal am Tag ein Bus nach San Fratello. Zu empfehlen ist das aber nur, wenn man etwas Italienisch spricht. Was ich leider nicht kann. Mit Englisch kommt auf Sizilien nur in den größeren Städten (und in Taormina, da reicht sogar Deutsch) gut weiter.

Bahnstation
Wenn Du mit dem Zug unterwegs bist, solltest Du hier aussteigen – ich würde Dir aber definitiv einen Mietwagen empfehlen!

Ursprünglich wollte ich den Wildpferdebesuch aber zumindest versuchen. Im Zug habe ich dann beschlossen, doch direkt bis Messina durchzufahren. Zum einen bin ich viel später als geplant in Palermo abgefahren (Zeiten sind seeeeehr relativ auf Sizilien!) und zum anderen wollte ich mir einen Tag Ruhe von den vielen Eindrücken aus Palermo gönnen. Und manchmal sind Pferde dann eben doch nicht alles im Leben…

Sizilien ist meiner Meinung nach absolut eine Reise wert. Die Menschen sind einfach unglaublich freundlich (und erklären Dir auch gerne mit Händen und Füßen den Weg :D). Ich komme bestimmt auch irgendwann einmal hierher zurück. Und dann vielleicht mit Mietwagen.

Alles Gute
Sarah

PS: Sizilien ist nicht so Dein Ding? Wie wäre es denn dann vielleicht mit Andalusien?

Quellen

[1] Hendricks, Bonnie Lou (1995): International Encyclopedia of Horse Breeds. p. 368-370
[2] Parco Naturale dei Nebrodi (o.J.): Il cavallo sanfratellano. Abgerufen unter: http://www.parks.it/parco.nebrodi/sanfratellano.razza.html 02.04.19
[3] Parco Naturale dei Nebrodi (o.J.): Il cavallo sanfratellano non andrà in estinzione. Abgerufen unter: http://www.parks.it/parco.nebrodi/sanfratellano.html am 02.04.19
[4] Parco Naturale dei Nebrodi (o.J.): Schwarzes Schwein der Nebrodi. Abgerufen unter: http://www.parks.it/parco.nebrodi/Gdettaglio_prodotto.php?id_prodotti=2560 am 02.04.19


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